Vorweg eine ehrliche Einordnung: Eine Flugreise ans Rote Meer wird durch gutes Verhalten vor Ort nicht klimaneutral, und kein Hotel macht sie dazu. Trotzdem kannst du vor Ort eine Menge beeinflussen. Ägyptens Riffe, Küsten und Wüsten sind empfindlich, und sie werden genau von dem Tourismus belastet, von dem viele Menschen dort leben. Einen Überblick über Badeorte, Riffe und sichere Entscheidungen am Wasser findest du im Bereich Strand und Meer in Ägypten.

Nachhaltiger Urlaub in Ägypten: was realistisch ist

Viele Hotels und Ausflugsanbieter werben mit „eco“, „grün“ oder „nachhaltig“. Das kann viel bedeuten oder fast nichts. Hilfreicher als ein Logo sind Angaben, die du prüfen kannst: Wird Müll getrennt? Wie geht das Haus mit Wasser um? Führt ein Steg über das Riffdach, und achtet jemand darauf, dass niemand auf den Korallen steht?

In Ägypten gibt es mit „Green Star Hotel“ ein nationales Zertifizierungsprogramm, das unter der Schirmherrschaft des Tourismusministeriums entstanden ist. Der Global Sustainable Tourism Council hat den Standard 2015 als gleichwertig zu seinen Kriterien anerkannt. Das ist eine Anerkennung des Regelwerks, keine Garantie für jedes einzelne Haus. Frag deshalb nach dem Datum der letzten Prüfung und verlass dich im Zweifel mehr auf das, was du vor Ort siehst. Und ein „Öko-Ausflug“ mit Tierkontakt bleibt ein Tierkontakt, auch wenn er anders heißt.

Riffe: Der größte Hebel liegt im Wasser

Die Korallenriffe sind für viele der Grund, ans Rote Meer zu reisen, und zugleich der empfindlichste Teil des Urlaubs. In Schutzgebieten verbietet das ägyptische Gesetz Nr. 102 von 1983 ausdrücklich, Wildtiere zu stören oder Muscheln, Korallen und Steine zu entfernen. Außerhalb der Schutzgebiete ist das Riff nicht weniger empfindlich. Wie ein Riff aufgebaut ist und warum schon eine Berührung schadet, erklären wir unter Korallenriffe im Roten Meer. Praktische Tipps für Einstieg, Ausrüstung und Abstand stehen unter Schnorcheln in Ägypten.

Viel diskutiert wird Sonnencreme. Die US-Ozeanbehörde NOAA verweist auf Laborstudien, nach denen die UV-Filter Oxybenzon und Benzophenon-2 junge Korallen schädigen können. Wie stark solche Stoffe echte Riffe belasten, ist laut NOAA noch Gegenstand der Forschung. Ein einfacher Kompromiss: Ein UV-Shirt beim Schnorcheln schützt deinen Rücken und spart viel Creme, die sonst im Wasser landet. Wer zusätzlich Produkte ohne diese Filter wählt, macht nichts falsch.

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Müll und Plastik: was am Roten Meer verboten ist

Plastik ist an der Küste ein sichtbares Problem, am Strand wie im Wasser. Das Gouvernorat Rotes Meer, zu dem unter anderem Hurghada, Safaga und Marsa Alam gehören, hat 2019 auf Vorschlag der Umweltorganisation HEPCA Einwegplastik eingeschränkt. Laut HEPCA sollen nach dem Erlass Nr. 167 von 2019, gültig ab 1. Juni 2019, Lebensmittelgeschäfte, Restaurants, Cafés und Apotheken keine Einwegtüten mehr ausgeben. Restaurants, Cafés sowie Tages- und Safariboote sollen auf Einwegbesteck, Plastikbecher und Plastikteller verzichten. Für das Gouvernorat Südsinai mit Sharm el Sheikh und Dahab kündigte der ägyptische Tauch- und Wassersportverband CDWS Anfang 2020 ein ähnliches Verbot zum 1. März 2020 an, auf Ausflugsbooten ausdrücklich auch für Strohhalme. Wie konsequent das heute kontrolliert wird, konnten wir nicht belastbar prüfen. Rechne also nicht damit, dass Plastik vor Ort verschwunden ist.

Was du selbst tun kannst, ist unspektakulär, aber wirksam:

  • Eine eigene Trinkflasche einpacken und dort auffüllen, wo das Hotel Wasser ausdrücklich als Trinkwasser ausgibt. Leitungswasser solltest du laut Auswärtigem Amt nicht trinken.
  • Einen Stoffbeutel für Einkäufe und den Basar dabeihaben.
  • Auf Booten nichts über Bord werfen, auch keine Zigarettenkippen und keine Essensreste.
  • Am Strand und bei Wüstenausflügen alles wieder mitnehmen, was du mitgebracht hast.

Wasser: knapper, als der Hotelpool vermuten lässt

Wasser ist in Ägypten knapp. Laut der American University in Cairo stehen jedem Menschen im Land rechnerisch rund 560 Kubikmeter im Jahr zur Verfügung, deutlich unter der Wasserarmutsgrenze von 1.000 Kubikmetern. 97 Prozent der erneuerbaren Wasserressourcen stammen aus dem Nil. Die Badeorte am Roten Meer liegen dagegen in der Wüste, weit weg vom Fluss. Hurghada wird über Meerwasserentsalzung und eine lange Leitung versorgt. Im Sommer 2024 reichte das nicht: Wohn- und Touristengebiete bekamen zeitweise nur alle acht Tage Wasser, berichtete Egypt Independent.

Im Hotel merkst du davon meist nichts, gerade deshalb lohnt der bewusste Umgang: kurz duschen, Handtücher mehrfach benutzen und die Bettwäsche nicht täglich wechseln lassen, wenn das Hotel das anbietet.

Bucht mit türkisfarbenem Wasser zwischen Wüstenbergen an der Sinai-Küste bei Nuweiba
Bucht mit türkisfarbenem Wasser zwischen Wüstenbergen an der Sinai-Küste bei Nuweiba

Souvenirs: Korallen, Muscheln und Artenschutz

Hier ist die Lage eindeutig. Das Auswärtige Amt nennt ein striktes Ausfuhrverbot für Korallen, Muscheln und versteinertes Holz, und zwar auch dann, wenn du sie scheinbar legal in einem Laden gekauft hast (Stand: Oktober 2026). Steinkorallen stehen zusätzlich im internationalen Artenschutzabkommen CITES, für die Einfuhr nach Deutschland gelten deshalb eigene Regeln. Naturschutzorganisationen raten laut Auswärtigem Amt grundsätzlich davon ab, Andenken aus Tieren oder Pflanzen mitzubringen. Das schließt Schmuck aus Schildpatt und präparierte Meerestiere ein.

Was du mitnehmen darfst, steht im Ratgeber Zoll und Souvenirs. Vorsicht auch bei Händlern, die „antike“ Stücke oder seltene Naturfunde anpreisen: Echte Antiquitäten darfst du nicht ausführen, falsche sind teuer. Typische Verkaufsmaschen beschreibt der Ratgeber Abzocke in Ägypten erkennen und vermeiden. Eine gute Alternative sind Dinge, bei denen du siehst, woraus sie bestehen: Textilien, Gewürze oder Kunsthandwerk aus Holz, Glas oder Metall.

Meerestiere und Delfine: beobachten statt anfassen

Schildkröten, Rochen, Delfine und mit viel Glück eine Seekuh gehören zu den Begegnungen, auf die viele hoffen. Garantiert ist keine davon, und keine wird besser, wenn man nachhilft. Nicht anfassen, nicht reiten, nicht füttern, nicht verfolgen: Das gilt für jedes Tier im Wasser. Wie gefährlich einzelne Tiere für dich werden können, ordnen wir unter Meerestiere und Sicherheit ein.

Beim Schwimmen mit Delfinen lohnt ein genauer Blick. Am Riff Samadai bei Marsa Alam ruht eine Gruppe Spinnerdelfine tagsüber in einer geschützten Lagune. Laut einer Fallstudie im Whale-Watching-Handbuch der Internationalen Walfangkommission schwammen dort im Sommer 2003 täglich bis zu 500 bis 800 Menschen ohne Regeln mit den Tieren. Die Behörden sperrten das Riff daraufhin ganz und öffneten es 2004 mit festen Zonen wieder: Ein Bereich bleibt allein den Delfinen vorbehalten, Schnorchler dürfen nur mit Begleitung in eine zweite Zone, Boote und Taucher bleiben weiter draußen, die Besucherzahl pro Tag ist begrenzt. Seit 2013 organisiert HEPCA den Betrieb, Anfassen, Füttern, Verfolgen und Lärm sind verboten. Die Fallstudie beschreibt die Gruppe seitdem als stabil, weist aber darauf hin, dass Delfintourismus an anderen Stellen der ägyptischen Küste weniger geregelt ist.

Für dich heißt das: wenn überhaupt, dann nur mit Anbietern, die solche Regeln einhalten, und mit der Bereitschaft, die Tiere nur aus der Ferne oder gar nicht zu sehen. Ein Boot, das einer Delfingruppe hinterherfährt, damit alle ins Wasser springen können, stört die Tiere in ihrer Ruhezeit. Shows und Schwimmprogramme mit Delfinen in Becken empfehlen wir nicht. Tierschutzorganisationen wie World Animal Protection kritisieren, dass solche Becken im Vergleich zum natürlichen Lebensraum winzig sind und die Tiere unter Enge und Lärm leiden.

Ausflugsboote über einem Riff im blauen Wasser vor Hurghada
Ausflugsboote über einem Riff im blauen Wasser vor Hurghada
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Kamele, Pferde und Kutschen: Tierwohl sachlich betrachtet

An den Pyramiden von Gizeh, in Luxor und in Assuan arbeiten Kamele, Pferde und Esel im Tourismus. Für viele Familien sind sie die Lebensgrundlage. Gleichzeitig dokumentiert die Tierrechtsorganisation PETA seit Jahren erschöpfte und geschlagene Tiere. Im Oktober 2024 haben das Tourismus- und das Landwirtschaftsministerium ein nationales Programm für Tiere an archäologischen Stätten gestartet: eine tierärztliche Station in Gizeh, Impfungen, Schulungen für Halter und kostenlose Angebote, die auch auf Sakkara, Luxor und Assuan ausgeweitet werden sollen. Wie gut das im Alltag wirkt, lässt sich von außen noch nicht beurteilen.

Ob du reitest oder eine Kutsche nimmst, entscheidest du selbst. Wenn du es tust, schau vorher hin und verzichte, wenn etwas nicht stimmt:

  • Das Tier wirkt aufmerksam, steht sicher und lahmt nicht.
  • Keine offenen Wunden, besonders an Maul, Rücken und unter Sattel oder Geschirr.
  • Es gibt Schatten und Wasser für das Tier, nicht nur für dich.
  • Kein Schlagen und kein Antreiben im Galopp für ein schnelles Foto.
  • In der Mittagshitze lieber gar nicht.

Wie du bei Ritten Streit um den Preis vermeidest, steht im Ratgeber zu Abzocke in Ägypten, Hinweise zum Besuch des Pyramidenplateaus auf der Seite zu Gizeh.

Vor der Buchung: drei Fragen, die viel verraten

  • An das Hotel: Gibt es einen Steg über das Riffdach und klare Regeln am Hausriff? Worauf du bei der Auswahl achtest, steht unter Hotels mit Hausriff.
  • An den Bootsanbieter: Wird an festen Bojen festgemacht statt geankert, wie viele Gäste sind an Bord, und wie verhält sich die Crew bei Tierbegegnungen?
  • An jedes Tierprogramm: Wird angefasst, gefüttert, geritten oder für Fotos festgehalten? Dann lieber nicht.

Wer so auswählt, tut für die Natur am Roten Meer und am Nil mehr, als ein Siegel auf der Hotelseite versprechen kann.

Häufige Fragen

Darf ich Muscheln vom Strand als Andenken mitnehmen?

Nein. Das Auswärtige Amt nennt ein striktes Ausfuhrverbot für Korallen, Muscheln und versteinertes Holz, auch für scheinbar legal gekaufte Stücke (Stand: Oktober 2026). In Schutzgebieten ist schon das Einsammeln verboten. Lass sie liegen und lies vor dem Souvenirkauf den Ratgeber Zoll und Souvenirs.

Ist Schwimmen mit Delfinen in Ägypten vertretbar?

Nur unter strengen Regeln, und auch dann bleibt es ein Eingriff in die Ruhezeit der Tiere. Am Riff Samadai bei Marsa Alam gibt es seit 2004 Schutzzonen, Besucherobergrenzen und Verhaltensregeln, an anderen Stellen der Küste ist der Delfintourismus laut Internationaler Walfangkommission weniger geregelt. Wer unsicher ist, beobachtet Delfine vom Boot aus oder verzichtet.

Kann ich Leitungswasser trinken, um Plastikflaschen zu sparen?

Das Auswärtige Amt rät davon ab und empfiehlt ausschließlich Wasser sicheren Ursprungs. Plastik sparst du trotzdem: Fülle eine eigene Flasche an Wasserspendern, die das Hotel ausdrücklich als Trinkwasser ausweist, oder kauf große statt vieler kleiner Flaschen.

Hilft riffverträgliche Sonnencreme wirklich?

Laborstudien, auf die die US-Behörde NOAA verweist, zeigen, dass die UV-Filter Oxybenzon und Benzophenon-2 junge Korallen schädigen können. Wie stark das echte Riffe belastet, wird noch erforscht. Am meisten bringt ein UV-Shirt beim Schnorcheln, weil du dann insgesamt weniger Creme brauchst.

Woran erkenne ich ein umweltbewusstes Hotel?

An überprüfbaren Angaben statt Schlagworten: Mülltrennung, Umgang mit Wasser, ein Steg über das Riffdach und Personal, das am Hausriff auf Regeln achtet. Ein Zertifikat wie das ägyptische Green Star Hotel ist ein Anhaltspunkt, frag aber nach dem Datum der letzten Prüfung.

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Quellen und Stand

Stand: Oktober 2026. Angaben zu Preisen, Öffnungszeiten und Regeln können sich ändern. Prüfe sie vor der Reise bei der jeweiligen Stelle.

Über den Autor: Oliver Misch

Herausgeber von AEGYPT

Oliver kennt Ägypten von vielen Reisen und Ausflügen, vor allem rund um das Rote Meer. Für AEGYPT recherchiert er jede Seite anhand amtlicher und fachlicher Quellen und nennt sie offen. Mehr über Oliver · So arbeiten wir

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