Für den ersten Blick auf ein Korallenriff brauchst du in Ägypten weder Kurs noch Tauchschein. Maske, Schnorchel und Flossen reichen, wenn du sicher schwimmen kannst und ein paar Regeln kennst. Das gilt fürs Rote Meer: Dort liegen die Riffe oft nur wenige Schwimmzüge vor der Küste. Am Mittelmeer bei Alexandria gibt es keine vergleichbaren Riffe, warum das so ist, erklärt der Überblick Strand und Meer in Ägypten.

Vom Strand oder vom Boot: Welcher Zugang passt zu Anfängern?

Zum Riff kommst du auf zwei Wegen. Am Hausriff steigst du direkt am Hotel ins Wasser, oft über einen Steg, der über das flache Riffdach hinaus bis an die Kante führt. Bei einem Bootsausflug fährst du zu Riffen und Inseln, die von Land aus nicht erreichbar sind. Für die ersten Male ist das Hausriff meist entspannter.

Hausriff und Bootstour im Vergleich
MerkmalHausriff vom Strand oder StegBootstour
TempoDu bestimmst Dauer und Pausen selbstFester Zeitplan, meist zwei oder drei Stopps
EinstiegÜber Steg oder markierte Einstiege, Boden oft sichtbarÜber die Leiter ins offene Wasser, Grund oft weit unten
AbbruchJederzeit zurück an LandNur zurück zum Boot, das nicht immer in der Nähe liegt
Typische RisikenStrömung am Stegende und an der Riffkante, Wellen über dem flachen RiffdachSeegang, Strömung, Abstand zur Gruppe, Zustand des Bootes
Passt zuErsten Versuchen, Kindern mit Begleitung, mehreren kurzen Runden am TagGeübteren, die weiter entfernte Riffe sehen wollen

Viele Hotels mit eigenem Riff liegen im Süden um Marsa Alam. Worauf du bei Steg, Einstieg und Riffzustand achten solltest, bevor du buchst, steht unter Hotels mit Hausriff. Für den Südsinai rät das Auswärtige Amt, Schnorcheltouren nur mit lizenzierter ortsansässiger Begleitung zu buchen. Den aktuellen Stand dazu fassen wir unter Reisewarnung und Sicherheit zusammen.

Korallenriff mit Fischschwarm bei Marsa Alam
Korallenriff mit Fischschwarm bei Marsa Alam
Anzeige

Ausrüstung: Maske, Schnorchel, Flossen und Schutz vor der Sonne

Die Maske ist das wichtigste Teil. Halt sie ohne Band ans Gesicht und atme kurz durch die Nase ein: Bleibt sie von allein haften, sitzt sie dicht. Eine eigene Maske, die du zu Hause getestet hast, erspart dir viel Ärger mit beschlagenem Glas und Wasser in der Nase.

Beim Schnorchel gilt: kürzer und einfacher ist besser. Das Auswärtige Amt nennt in seinem Merkblatt Tauchen, erstellt mit der Gesellschaft für Tauch- und Überdruckmedizin, höchstens 35 Zentimeter Länge für Erwachsene und 30 Zentimeter für Kinder, dazu eine glatte Innenwand. Ein längerer Schnorchel verlängert den Weg der verbrauchten Luft, die du wieder einatmest. Von Vollgesichtsmasken rät das Merkblatt beim Abtauchen ab, besonders von billigen Modellen. Die ägyptische Wassersportkammer CDWS hat ihre Mitglieder 2020 laut Fachpresse gebeten, Schnorchlern von solchen Masken abzuraten, weil sich darin ausgeatmetes Kohlendioxid sammeln kann.

Flossen gibt es mit geschlossenem Fußteil oder als offene Variante mit Füßlingen. Füßlinge helfen beim Einstieg über Steine und Sand, sind aber kein Freibrief, auf dem Riff zu laufen. Eine Schnorchelweste oder Auftriebsweste gibt dir Pausen ohne Kraftaufwand und macht dich für Boote sichtbar. Für Anfänger ist sie eine gute Idee, auch wenn du gut schwimmst.

Sonnenschutz, der auch dem Riff weniger schadet

Beim Schnorcheln liegt dein Rücken stundenlang knapp unter der Wasseroberfläche in der Sonne, Sonnenbrand ist dort fast programmiert. Am zuverlässigsten schützt ein langärmeliges UV-Shirt, oft Rash Guard genannt. Die US-Meeresbehörde NOAA nennt UV-Kleidung ausdrücklich eine gute Option, und je mehr Haut bedeckt ist, desto weniger Creme brauchst du. Bestimmte chemische UV-Filter wie Oxybenzon und Octinoxat können laut NOAA Korallen und andere Meerestiere schädigen. Die Behörde schreibt aber auch, dass die Forschung dazu noch nicht abgeschlossen ist, und hält mineralischen Sonnenschutz für die bessere Wahl, führt aber auch Zinkoxid und Titandioxid in Nanoform unter den möglicherweise schädlichen Stoffen. Lies also die Inhaltsstoffe statt der Werbeaufdrucke und trag die Creme rechtzeitig vor dem Baden auf.

  • Maske, die zu Hause dicht gesessen hat
  • Einfacher Schnorchel ohne Ventilspielereien
  • Flossen, die nicht drücken, bei Bedarf Füßlinge
  • Schnorchelweste, vor allem bei Bootstouren
  • UV-Shirt oder dünner Neoprenanzug
  • Sonnenschutz, bei dem du die Inhaltsstoffe geprüft hast
  • Trinkwasser und etwas gegen Seekrankheit für den Bootsausflug

Wie sicher du schwimmen können solltest

Schnorcheln sieht gemütlich aus, ist aber Schwimmen im offenen Meer. Du solltest ohne Flossen eine längere Strecke ruhig schwimmen, dich auf dem Rücken treiben lassen und Wasser aus Schnorchel und Maske befördern können, ohne in Panik zu geraten. Die Weste ersetzt diese Sicherheit nicht. Übe die Handgriffe am besten zuerst im Pool oder dort, wo du noch stehen kannst, ohne auf Korallen zu treten.

Ein Punkt wird oft unterschätzt: die eigene Gesundheit. Der Taucherverband DAN fasst eine australische Untersuchung von 140 Todesfällen beim Schnorcheln aus den Jahren 1994 bis 2006 zusammen. Herzprobleme waren dort die häufigste Ursache, betroffen waren vor allem ältere Männer. Das Gesamtrisiko ist laut DAN sehr klein. Wenn du aber eine Herzerkrankung hast oder es in deiner Familie plötzliche Herztode gab, sprich vor der Reise mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Für Familien gibt es eigene Hinweise unter Ägypten mit Kindern.

Strömung und Wind am Riff einschätzen

Die meisten brenzligen Momente beim Schnorcheln haben mit Wasserbewegung zu tun, nicht mit Tieren. An der Riffkante und am Ende eines Stegs kann Strömung entlang laufen, die vom Steg aus kaum zu sehen ist. Wind macht aus einer glatten Bucht schnell eine kabbelige Fläche, in der Wasser in den Schnorchel schwappt und Wellen dich über das flache Riffdach schieben.

  • Frag an der Tauchbasis oder bei den Rettungsschwimmern deines Hotels, wie die Strömung heute läuft, und halte dich an Flaggen und Absperrungen.
  • Schwimm zu Beginn gegen die Strömung. Dann trägt sie dich auf dem Rückweg, wenn die Kraft nachlässt.
  • Merk dir den Ausstieg, bevor du losschwimmst. Bei Wellen kommst du nicht überall wieder heraus.
  • Kämpf nicht gegen eine starke Strömung an. Schwimm quer zu ihr, nutz die Weste zum Ausruhen und mach mit erhobenem Arm auf dich aufmerksam.
  • Schnorchel nie allein, und sag jemandem an Land, wann du zurück sein willst.

Wirkt das Wasser unruhig, ist der Tag kein guter Schnorcheltag. Das Riff ist morgen auch noch da. Welche Meerestiere wirklich Probleme machen können und wie du dich verhältst, ordnen wir unter Meerestiere und Sicherheit ein.

Seriöse Bootstouren zum Schnorcheln auswählen

Das Auswärtige Amt verweist auf wiederholte schwere Unfälle mit Touristen- und Tauchbooten in Ägypten. Der Preis sollte deshalb nicht das wichtigste Kriterium sein. In Ägypten ist die Chamber of Diving and Watersports (CDWS) zuständig, eine vom Tourismusministerium gegründete Kammer. Auf ihrer Website findest du Verzeichnisse der Wassersportzentren und Safariboote sowie eine schwarze Liste von Anbietern, die nicht legal arbeiten oder geschlossen wurden. Ein kurzer Abgleich vor der Buchung kostet dich zwei Minuten.

  • Der Anbieter ist bei der CDWS gelistet oder wird über dein Hotel gebucht, und du weißt, wer die Tour tatsächlich durchführt.
  • Vor dem ersten Stopp gibt es eine Sicherheitseinweisung: Ein- und Ausstieg, Zeichen, Treffpunkt, Verhalten bei Strömung.
  • Westen in passenden Größen, auch für Kinder, liegen griffbereit an Bord.
  • Die Gruppe ist so klein, dass ein Guide den Überblick behält. Frag konkret, wie viele Gäste auf einen Guide kommen. Laut CDWS dürfen bei Schnorchelausflügen im offenen Wasser höchstens zwölf Schnorchler auf einen Guide kommen (Stand: Mai 2025).
  • Die Crew zählt die Gäste nach jedem Stopp und vor der Rückfahrt.
  • Das Boot macht an festen Bojen fest, statt den Anker ins Riff zu werfen.
  • Bei starkem Wind wird abgesagt oder umgeplant. Das ist ein gutes Zeichen, kein Ärgernis.

Misstrauisch werden darfst du bei Angeboten, die Delfine, Schildkröten oder andere Tiere garantieren, oder bei denen Tiere gefüttert und angefasst werden. Solche Touren setzen Tiere unter Druck und erfüllen das Versprechen oft trotzdem nicht.

Grüne Meeresschildkröte über Seegras in der Bucht Abu Dabbab bei Marsa Alam
Grüne Meeresschildkröte über Seegras in der Bucht Abu Dabbab bei Marsa Alam
Anzeige

Verhalten am Riff: Abstand ist der beste Tipp

Korallen sind Tiere, und schon ein Flossenschlag oder ein kurzer Stand auf dem Riff kann sie beschädigen. Die CDWS wirbt deshalb mit eigenen Hinweisen für „No touch“ und „Do not feed the fish“, also nichts anfassen und keine Fische füttern. Für dich heißt das im Wasser:

  • Nicht auf dem Riff stehen, auch nicht kurz zum Maskeputzen. Pausen machst du über Sand oder mit der Weste.
  • Abstand zum Riff halten, besonders bei Wellen und über dem flachen Riffdach.
  • Flossen ruhig und eher flach unter der Oberfläche bewegen, damit du keinen Sand aufwirbelst.
  • Keine Tiere jagen, berühren oder füttern. Wenn ein Tier näher kommt, bleib ruhig und lass ihm einen Ausweg.
  • Nichts mitnehmen, weder Korallen noch Muscheln oder Schneckenhäuser.

Wie ein Riff aufgebaut ist und warum es so empfindlich reagiert, erklärt Korallenriffe im Roten Meer. Was du darüber hinaus für Müllvermeidung und Schutzgebiete tun kannst, steht unter Natur und Umweltschutz im Ägyptenurlaub.

Nächste Schritte für deinen Schnorchelurlaub

Wenn Schnorcheln der Hauptgrund für deine Reise ist, wähle zuerst das Hotel nach Riffzugang und erst dann nach Pool und Buffet. Ein Hausriff mit gutem Steg bringt dir mehr Zeit im Wasser als jeder Bootsausflug. Plane die Bootstour lieber für die Mitte des Urlaubs, wenn du dich im Wasser sicher fühlst. Und falls dich das Riff nicht mehr loslässt: Wie der Einstieg ins Gerätetauchen funktioniert, liest du unter Tauchen in Ägypten.

Häufige Fragen

Kann ich als Nichtschwimmer schnorcheln?

Davon raten wir ab, auch mit Weste. Eine Schwimmweste hält dich oben, sie hilft dir aber nicht, wenn Wasser in den Schnorchel läuft, die Maske verrutscht oder dich eine Welle gegen das Riff drückt. Wer nicht sicher schwimmen kann, lernt das besser zu Hause im Schwimmbad und schaut sich das Riff bis dahin von einem Glasbodenboot oder vom Steg aus an.

Soll ich eigene Ausrüstung mitbringen oder vor Ort leihen?

Eine eigene Maske lohnt sich fast immer, weil sie zu deinem Gesicht passt und du sie vorher zu Hause testen kannst. Für Brillenträger gibt es Masken mit Korrekturgläsern. Flossen nehmen viel Platz im Koffer weg und lassen sich gut leihen, probier sie aber vor dem Ausflug an, damit nichts drückt.

Kann ich in Ägypten auch im Winter schnorcheln?

Ja, am Roten Meer geht das ganzjährig, nur wird es im Winter frischer. NOAA Coral Reef Watch nennt für die südliche ägyptische Küste als regionalen Richtwert 22,8 °C im Februar, für den Golf von Suez 19,9 °C. Das sind Satellitenwerte für große Meeresgebiete. Nach einer Stunde im Wasser frierst du bei solchen Temperaturen schnell, ein dünner Neoprenanzug oder ein langärmeliges Shirt macht viel aus. Mehr dazu unter Wetter am Roten Meer.

Sehe ich beim Schnorcheln Delfine oder Schildkröten?

Das kann passieren, versprechen kann es niemand. Welche Tiere du siehst, hängt von Ort, Tageszeit, Wetter und Zufall ab. Sei skeptisch bei Touren, die Begegnungen garantieren, und schwimm Tieren nicht hinterher, sondern lass sie selbst entscheiden, wie nah sie kommen.

Brauche ich eine besondere Versicherung zum Schnorcheln?

Für normales Schnorcheln reicht meist eine Auslandskrankenversicherung, die auch einen Rücktransport abdeckt. Lies trotzdem nach, ob Wassersport ausgeschlossen ist. Was sonst in die Reisevorbereitung gehört, steht unter Gesundheit und Reiseapotheke.

Passende Ausflüge bei GetYourGuide Affiliate-Links, was das heißt

Anzeige

Quellen und Stand

Stand: Oktober 2026. Angaben zu Preisen, Öffnungszeiten und Regeln können sich ändern. Prüfe sie vor der Reise bei der jeweiligen Stelle.

Über den Autor: Oliver Misch

Herausgeber von AEGYPT

Oliver kennt Ägypten von vielen Reisen und Ausflügen, vor allem rund um das Rote Meer. Für AEGYPT recherchiert er jede Seite anhand amtlicher und fachlicher Quellen und nennt sie offen. Mehr über Oliver · So arbeiten wir

Kommentare

Noch keine Kommentare. Hast du eine Ergänzung, eine eigene Erfahrung oder einen Fehler entdeckt? Schreib uns gern.

Schreib einen Kommentar

Dein Kommentar erscheint, nachdem wir ihn gelesen und freigegeben haben. Links, E-Mail-Adressen, Telefonnummern, BB-Code und HTML sind nicht erlaubt.

Name und Kommentar sind nach der Freigabe öffentlich zu sehen, ein Spitzname reicht. Deine IP-Adresse speichern wir zum Schutz vor Spam nur pseudonymisiert und höchstens 24 Stunden. Mehr dazu unter Datenschutz bei Kommentaren.