Auf der Landkarte wirkt das Rote Meer wie ein langer Riss zwischen Afrika und der Arabischen Halbinsel, und genau das ist es auch: ein Grabenbruch, an dem sich zwei Erdplatten voneinander entfernen. Für deinen Urlaub ist das mehr als Erdkunde. Die Form des Meeres erklärt, warum das Wasser so salzig ist, warum Riffe oft direkt am Strand beginnen und warum die Küste bei Dahab ganz anders aussieht als bei Hurghada. Den allgemeinen Überblick über Baden, Riffe und Sicherheit gibt die Seite Strand und Meer in Ägypten.
Lage: ein schmales, tiefes Meer zwischen zwei Kontinenten
Das Rote Meer reicht laut Encyclopaedia Britannica rund 1.930 Kilometer von Suez im Norden bis zur Meerenge Bab el-Mandeb im Süden und ist an der breitesten Stelle nur etwa 305 Kilometer breit. Im Mittel ist es nach Angaben des Meeresforschungszentrums MARUM der Universität Bremen rund 500 Meter tief, im zentralen Graben deutlich über 2.000 Meter. Mit dem Indischen Ozean ist es nur über Bab el-Mandeb verbunden, und die entscheidende Schwelle liegt dort gerade einmal 137 Meter unter der Oberfläche. Im Norden führt der künstlich gebaute Suezkanal zum Mittelmeer.
Ägypten liegt an der Westseite des nördlichen Teils. Dort spaltet die Sinai-Halbinsel das Meer in zwei Arme: den Golf von Suez im Westen und den Golf von Akaba im Osten. Zusammen mit der langen Festlandküste ergibt das drei Küstenregionen, die sich für Badende, Schnorchler und Taucher spürbar unterscheiden.
Rotes Meer in Ägypten: drei Küstenregionen im Vergleich
| Region | Wasser und Relief | Riffe | Bekannte Orte |
|---|---|---|---|
| Golf von Suez | flach, im Mittel etwa 30 Meter tief | Saumriffe mit Lücken, an der Ostseite kleinere Fleckenriffe | Ain Sukhna, El Tor; am Ausgang des Golfs El Gouna und Hurghada |
| Golf von Akaba | schmal und tief, bis etwa 2.000 Meter | schmale Saumriffe, die oft senkrecht abfallen | Dahab, Nuweiba, Taba; an der Südspitze des Sinai Sharm el Sheikh |
| Festlandküste | offenes Meer, große Tiefen nah vor der Küste | lange Saumriffe, im Süden teils über einen halben Kilometer breit, viele Inselriffe | Hurghada, Makadi Bay, Soma Bay, Marsa Alam, weiter südlich Hamata |
Golf von Suez
Der Golf von Suez ist der ruhigere, flachere Arm. Laut einem Länderbericht des ägyptischen Umweltministeriums liegt seine mittlere Tiefe bei etwa 30 Metern, die Riffe an der Westseite sind nicht durchgehend. Am Golf liegen Häfen und Ölfelder, Badeurlaub spielt dort eine kleinere Rolle. Touristisch interessant wird es an seinem Ausgang, wo Hurghada und El Gouna mit vorgelagerten Inseln und Riffen liegen, die du meist per Boot erreichst.
Golf von Akaba und Südsinai
Der Golf von Akaba ist durch eine Verschiebung zweier Platten entstanden und fällt bis in rund 2.000 Meter Tiefe ab. Die Riffe sind schmal und gehen oft nach wenigen Metern in eine senkrechte Wand über. Das macht Orte wie Dahab für Schnorchler und Taucher reizvoll, verlangt aber sichere Schwimmer, weil es direkt am Ufer tief wird. Sharm el Sheikh liegt an der Südspitze des Sinai, wo beide Golfe zusammentreffen, gleich neben dem Nationalpark Ras Mohammed. Für den Südsinai rät das Auswärtige Amt von unbegleiteten, individuellen Ausflügen und Überlandfahrten ab, Einzelheiten stehen unter Reisewarnung und Sicherheit.
Festlandküste bis zur Grenze zum Sudan
Südlich von Hurghada beginnt das offene Rote Meer. Die Saumriffe ziehen sich laut Umweltministerium bis Ras Hadarba an der Grenze zum Sudan. Insgesamt umgeben Saumriffe vor Ägypten mehr als 46 Inseln. Zwischen Marsa Alam und Shalatin ist das Saumriff teils über einen halben Kilometer breit. Wo Wadis bei seltenen Starkregen Süßwasser und Geröll ins Meer spülen, bleibt das Riff unterbrochen, und es entstehen Buchten mit Sandboden. Viele Ortsnamen verraten das: „Marsa“ bedeutet auf Arabisch Ankerplatz, „Sharm“ Bucht. Touristisch erschlossen ist die Küste vor allem bis in die Gegend um Marsa Alam und die Schutzgebiete Wadi el Gemal und Hamata weiter südlich. Das Gebiet um Halaib ganz im Süden verwaltet Ägypten, der Sudan erhebt aber ebenfalls Anspruch darauf. Die Grenzgebiete zum Sudan sind laut Auswärtigem Amt Sperrgebiet, vor Reisen dorthin wird gewarnt.
Typische Lebensräume: Saumriff, Seegras und Mangroven
Saumriffe
Das Saumriff ist der Lebensraum, für den das Rote Meer bekannt ist. Es wächst direkt an der Küste und besteht aus drei Zonen: dem flachen Riffdach, das bei niedrigem Wasserstand fast trocken fallen kann, der Riffkante und dem Riffhang, der laut Umweltministerium im Mittel bis etwa 30 Meter Tiefe reicht. Die meisten Korallen und Fische siehst du an der Kante und am oberen Hang, deshalb führen Stege bei Hotels über das Riffdach hinaus. Wie ein Riff aufgebaut ist und warum es so empfindlich reagiert, erklärt die Seite Korallenriffe im Roten Meer.
Seegraswiesen
In den sandigen Buchten wachsen Seegraswiesen. Eine Untersuchung des ägyptischen Nationalinstituts für Ozeanographie und Fischerei fand entlang von rund 1.300 Kilometern Küste sechs Seegrasarten, die meisten davon im Golf von Akaba. Am Roten Meer reichen solche Wiesen von der Gezeitenzone bis in etwa 70 Meter Tiefe. Sie dienen Jungfischen als Kinderstube und Meeresschildkröten sowie Dugongs als Weidegrund. Ob du dort Tiere siehst, ist Glückssache, garantieren kann das kein Anbieter.
Mangroven
Mangroven sind am ägyptischen Roten Meer selten. Laut einem Länderbericht der Welternährungsorganisation FAO kommen nur zwei Arten vor: die weit verbreitete Graue Mangrove (Avicennia marina) und an einigen Stellen im Süden Rhizophora mucronata. Sie wachsen in vielen kleinen Beständen, im Süden zusammenhängender als im Norden, und werden selten höher als fünf Meter. Ihre Wurzeln halten Sediment fest und bieten Fischen Schutz.
Besonderheiten: viel Salz und Korallen, die Hitze aushalten
Salzgehalt
Ins Rote Meer münden keine dauerhaft fließenden Flüsse, und es regnet kaum. Gleichzeitig verdunstet viel Wasser: Laut MARUM verliert das Meer unter dem Strich gut zwei Meter Wasserhöhe pro Jahr, die über Bab el-Mandeb nachströmen. Das Salz bleibt zurück. Das Tiefenwasser hat einen Salzgehalt von etwa 40,6 Promille, der Durchschnitt der Weltmeere liegt laut US Geological Survey bei rund 35. Im Wasser merkst du das an etwas mehr Auftrieb und an Salzkrusten auf der Haut, wenn du nicht abduschst.
Wärmetoleranz der Korallen
Die Korallen im nördlichen Roten Meer gelten in der Forschung als ungewöhnlich hitzetolerant. Eine 2018 veröffentlichte Studie eines internationalen Forschungsteams um den Meeresbiologen Eslam Osman fand für die Jahre 1982 bis 2012 im Norden keine Massenbleiche, obwohl die Hitzebelastung dort teils hoch war, während Korallen im zentralen und südlichen Teil schon bei geringerer Belastung bleichten. In Laborversuchen hielten Korallen aus Hurghada mehr Wärme aus als Korallen aus dem zentralen Roten Meer. Forschende der Hebräischen Universität Jerusalem vermuten, dass die warme Südzone des Meeres über Jahrtausende hitzefeste Korallen ausgelesen hat, und halten den Golf von Akaba für ein mögliches Rückzugsgebiet. Das ist eine gut begründete Hypothese, kein bewiesener Schutz.
Wie begrenzt dieser Vorsprung ist, zeigt das Monitoring der Umweltorganisation HEPCA: Im Bericht für 2024 beschreibt sie erstmals nennenswerte Korallenbleiche auch im Norden, bei Hurghada und im Golf von Akaba. Bei Hurghada waren rund 9 Prozent der untersuchten Kolonien gebleicht, im südlichen Abschnitt, etwa bei Wadi el Gemal, bis zu 50,1 Prozent. Nach vorläufigen Schätzungen erholten sich je nach Art und Ort 75 bis 88 Prozent. Hitzetolerant heißt also nicht unverwundbar, und gegen Ankerschäden oder Tritte hilft auch die beste Hitzetoleranz nicht.
Wassertemperatur in Kürze
Das Wasser ist im Süden wärmer als im Norden. Als regionale Richtwerte nennt NOAA Coral Reef Watch für die südliche ägyptische Küste 22,8 °C im Februar und 29,8 °C im August, für den Golf von Akaba 21,6 und 27,6 °C, für den Golf von Suez 19,9 und 27,0 °C. Das sind Satellitenmittel über große Meeresgebiete aus älteren Bezugsjahren, keine Werte für einen bestimmten Strand. Alle Monate und die Lufttemperaturen findest du unter Wetter am Roten Meer.

Reiseformen: wie du das Rote Meer erleben kannst
Welche Reiseform passt, hängt davon ab, wie viel Zeit du im Wasser verbringen willst und wie sicher du darin bist.
- Strandurlaub mit Hausriff: Du wohnst direkt am Riff und schnorchelst, wann du willst. Am häufigsten rund um Marsa Alam und an der Steilküste von Sharm el Sheikh. Worauf du achtest, steht unter Hotels mit Hausriff.
- Bootsausflüge: Von Hurghada oder Sharm el Sheikh fahren Boote zu Inseln und Riffen, die du vom Strand nicht erreichst. Tipps zur Auswahl seriöser Touren findest du unter Schnorcheln in Ägypten.
- Tauchen und Tauchsafari: Tauchbasen gibt es an fast allen Badeorten, mehrtägige Touren auf einem Schiff führen zu entfernten Riffen und Inseln. Ausbildung und Reviere vergleicht die Seite Tauchen in Ägypten.
- Wind- und Kitesurfen: Der fast ganzjährige Nordwind macht Orte wie Soma Bay, El Gouna oder Dahab zu Surfrevieren.
- Kultur und Meer: Viele verbinden einige Tage Kairo oder Luxor mit einer Woche am Meer. Wie das gut klappt, steht unter Ägypten-Rundreise planen.
Gut zu wissen
Das Auswärtige Amt empfiehlt, Tauch- und Schnorcheltouren nur mit lizenzierter, ortsansässiger Begleitung zu buchen, und weist auf wiederholte schwere Unfälle mit Touristen- und Tauchbooten hin (Stand: Oktober 2026). Ein seriöser Anbieter erklärt die Sicherheitsregeln, zählt die Gäste und macht an Bojen fest, statt im Riff zu ankern.
Wenn du dich noch nicht für einen Ort entschieden hast, hilft der Vergleich unter Strände in Ägypten: Dort stehen Zugang, Einstieg, Hausriff und Wind für jede Region nebeneinander.
Häufige Fragen
Warum heißt es Rotes Meer?
Das ist nicht sicher geklärt. Diskutiert werden unter anderem zeitweise rötliche Algenblüten, die rötlichen Gebirge an den Ufern und alte Farbbezeichnungen für Himmelsrichtungen. Keine dieser Deutungen ist eindeutig belegt, das Wasser selbst ist normalerweise tiefblau.
Schwimmt man im Roten Meer leichter als in der Nordsee?
Ein wenig, ja. Salzigeres Wasser ist dichter und trägt deshalb etwas besser, im Roten Meer liegt der Salzgehalt deutlich über dem offenen Ozean. Mit dem Toten Meer ist das aber nicht vergleichbar: Schwimmen musst du hier ganz normal, und eine Schwimmweste beim Schnorcheln bleibt für unsichere Schwimmer sinnvoll.
Wo ist das Wasser im Winter am wärmsten?
Im Süden der ägyptischen Küste. NOAA Coral Reef Watch nennt als regionalen Richtwert für den Februar dort 22,8 °C, im Golf von Akaba 21,6 °C und im Golf von Suez 19,9 °C. Das sind Satellitenmittel für große Meeresgebiete, keine Messung an einem bestimmten Strand. Monatswerte findest du unter Wetter am Roten Meer.
Kann ich beim Schnorcheln Seegras oder Mangroven sehen?
Seegraswiesen findest du in vielen sandigen Buchten, oft schon in geringer Tiefe. Mangroven wachsen nur an wenigen Stellen in kleinen Beständen, häufig in Schutzgebieten. In beiden Lebensräumen gilt: nicht darauf stehen, nichts ausreißen, und Tiere wie Meeresschildkröten nur aus Abstand beobachten, wenn du überhaupt welche siehst.
Sind die Korallen im Roten Meer durch die Erwärmung gefährdet?
Ja, auch wenn die Korallen im Norden als besonders hitzetolerant gelten. Die Umweltorganisation HEPCA beschreibt für 2024 erstmals nennenswerte Korallenbleiche auch im Norden, bei Hurghada, und im Süden waren an einzelnen Stellen bis zu 50 Prozent der untersuchten Kolonien gebleicht. Wie du Riffe beim Baden schonst, steht unter Korallenriffe im Roten Meer.
Passende Ausflüge bei GetYourGuide Affiliate-Links, was das heißt
Quellen und Stand
Stand: Oktober 2026. Angaben zu Preisen, Öffnungszeiten und Regeln können sich ändern. Prüfe sie vor der Reise bei der jeweiligen Stelle.
- Encyclopaedia Britannica: Red Sea (britannica.com, geprüft am 21. Oktober 2026)
- MARUM, Universität Bremen: Red Sea Modelling (Arbeitsgruppe Mikropaläontologie und Paläozeanographie) (marum.de, geprüft am 21. Oktober 2026)
- U.S. Geological Survey: Why is the ocean salty? (usgs.gov, geprüft am 21. Oktober 2026)
- Red Sea Protectorates, Ministry of Environment Egypt, veröffentlicht über ICRI: Coral Reefs Egypt (Länderbericht) (icriforum.org, geprüft am 21. Oktober 2026)
- National Institute of Oceanography and Fisheries (NIOF), Ägypten: Distribution of Seagrass Species along the Egyptian Red Sea Coast (Geneid) (niof-eg.com, geprüft am 21. Oktober 2026)
- FAO: Mangroves of Africa 1980 bis 2005, Länderbericht Ägypten (fao.org, geprüft am 21. Oktober 2026)
- Universität Konstanz (KOPS): Thermal refugia against coral bleaching throughout the northern Red Sea (Osman et al., Global Change Biology 24(2), 2018) (kops.uni-konstanz.de, geprüft am 21. Oktober 2026)
- Hebrew University of Jerusalem: A coral reef refuge in the Red Sea (Fine, Gildor, Genin, Global Change Biology 19(12), 2013) (cris.huji.ac.il, geprüft am 21. Oktober 2026)
- HEPCA (Hurghada Environmental Protection and Conservation Association): Bleach Watch Report 2024 Update (hepca.org, geprüft am 21. Oktober 2026)
- NOAA Coral Reef Watch: Regional Virtual Stations Egypt, Gulf of Suez und Gulf of Aqaba, Averaged Monthly Mean (CoralTemp v3.1) (coralreefwatch.noaa.gov, geprüft am 21. Oktober 2026)
- Auswärtiges Amt: Ägypten: Reise- und Sicherheitshinweise (Stand 21.10.2026) (auswaertiges-amt.de, geprüft am 21. Oktober 2026)
Über den Autor: Oliver Misch
Herausgeber von AEGYPT
Oliver kennt Ägypten von vielen Reisen und Ausflügen, vor allem rund um das Rote Meer. Für AEGYPT recherchiert er jede Seite anhand amtlicher und fachlicher Quellen und nennt sie offen. Mehr über Oliver · So arbeiten wir

Kommentare
Noch keine Kommentare. Hast du eine Ergänzung, eine eigene Erfahrung oder einen Fehler entdeckt? Schreib uns gern.