Ob du zum ersten Mal unter Wasser atmen willst oder schon einen Tauchschein hast: Region, Basis und eine vernünftige Planung rund um Gesundheit und Rückflug entscheiden mehr über deinen Urlaub als der eine berühmte Tauchplatz. Tiefen, Dekompression und Gasplanung lernst du im Kurs mit Tauchlehrer, nicht auf einer Reiseseite. Darum geht es hier bewusst nicht.

Tauchregionen in Ägypten im Vergleich

Grob lassen sich fünf Tauchregionen unterscheiden. Der größte Unterschied ist, wie du zum Riff kommst: vom Hotelsteg, mit dem Tagesboot oder auf einer Safari.

Tauchregionen in Ägypten und ihre Eigenheiten
RegionTypischer ZugangWas sie prägtPasst zu
HurghadaTagesboote ab Hafen und HotelsViele Riffe und Inseln vor der Küste, ein Teil davon im Schutzgebiet der nördlichen Rotmeerinseln (seit 2006), große Auswahl an BasenEinsteigern und allen, die viel Auswahl wollen
Safaga und Soma BayTagesboote, teils HausriffeRuhigere Hotelbuchten südlich von Hurghada, Riffe vor der KüsteAllen, die es ruhiger mögen
Marsa AlamHausriff vom Hotel, Tagesboote, Safaris Richtung SüdenWeit verteilte Hotels, viele direkt am Riff, Schutzgebiet Wadi el Gemal und Hamata (seit 2003)Allen, die viel vom Ufer aus tauchen wollen
Sharm el Sheikh und Ras MohammedTagesbooteNationalpark Ras Mohammed an der Südspitze des Sinai (seit 1983), Riffe an der Grenze von Golf und offenem Roten MeerEinsteigern und Erfahrenen, Ausflüge nur mit lizenzierter Begleitung
DahabViele Einstiege direkt vom UferGolf von Akaba, Riffe fallen steil ab, entspannter Ort statt ResortanlageTauchern mit etwas Erfahrung, die selbstbestimmt vom Ufer tauchen wollen

Für Sharm el Sheikh und Dahab gelten die Hinweise des Auswärtigen Amts zum Südsinai: keine unbegleiteten individuellen Ausflüge, Tauchtouren nur mit lizenzierter ortsansässiger Begleitung. Was das konkret bedeutet, steht unter Reisewarnung und Sicherheit.

Wracks im Norden: die Thistlegorm

Das bekannteste Wrack Ägyptens ist die SS Thistlegorm, ein britisches Frachtschiff. Es lag am 6. Oktober 1941 vor Anker, als zwei deutsche Bomber es angriffen. Die Munition an Bord explodierte und riss das Schiff in zwei Teile. Im Laderaum liegen bis heute Fahrzeuge, Motorräder, Flugzeugteile und Eisenbahnwagen. Das Wrack liegt in der Straße von Gubal im nördlichen Roten Meer, Universitäten aus Nottingham, Kairo (Ain Shams) und Alexandria haben es dreidimensional dokumentiert. Für Besuche gelten eigene Regeln der CDWS. Ob der Tauchgang zu deinem Ausbildungsstand und den Bedingungen am Tag passt, entscheidet die Basis.

Wassertemperatur und Neopren

Wassertemperatur als regionaler Richtwert (NOAA Coral Reef Watch)
MeeresgebietFebruarAugust
Golf von Suez19,9 °C27,0 °C
Golf von Akaba21,6 °C27,6 °C
Südliche ägyptische Küste22,8 °C29,8 °C

Die Werte sind Satellitendaten der Wasseroberfläche (Klimatologie 1985 bis 2012) für große Meeresgebiete, kein Messwert an einem bestimmten Tauchplatz. Aktuelle Jahre liegen oft darüber. Welche Anzugstärke passt, sagt dir die Basis. Mehr zum Klima findest du unter Wetter am Roten Meer und Wetter auf dem Sinai.

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Einstieg ins Tauchen: Schnuppertauchen, Grundkurs und Brevets

Den Tauchschein nennt man Brevet, ausgestellt von Organisationen wie PADI, SSI oder CMAS. Für den Einstieg gibt es zwei Wege.

Schnuppertauchen

Beim Schnuppertauchen probierst du das Atmen unter Wasser aus, ohne einen Schein zu machen. Bei PADI heißt das Programm Discover Scuba Diving: eine Einweisung zu Druck, Ausrüstung und Zeichen, Übungen im Pool oder in flachem, geschütztem Wasser und auf Wunsch ein flacher Tauchgang im Meer, bei dem ein Profi direkt neben dir bleibt. Das Mindestalter liegt bei PADI bei 10 Jahren. Ein Brevet bekommst du dafür nicht.

Grundkurs

Der Grundkurs, bei PADI Open Water Diver, dauert meist drei bis vier volle Tage. Er besteht aus Theorie mit Abschlusstest, Übungen in geschütztem Wasser und mehreren Tauchgängen im Meer. Vorher musst du zeigen, dass du 200 Meter schwimmen und dich zehn Minuten über Wasser halten kannst. Danach darfst du mit einem ebenfalls ausgebildeten Partner ohne Tauchlehrer tauchen, innerhalb der Grenzen, die deine Organisation für dieses Brevet festlegt.

Warst du lange nicht unter Wasser, ist ein ruhiger Auffrischungstauchgang mit Guide zu Beginn sinnvoll. Wracks, Nitrox oder größere Tiefen sind eigene Kurse.

Ärztliche Tauglichkeit: vor der Reise klären

Das Auswärtige Amt rät in seinem Merkblatt Tauchen, erstellt mit der Gesellschaft für Tauch- und Überdruckmedizin (GTÜM), vor dem ersten Tauchgang in jedem Fall eine Tauchmedizinerin oder einen Tauchmediziner zu fragen. Am besten lässt du dich zu Hause untersuchen, damit du nicht erst am Urlaubsort erfährst, dass du nicht tauchen darfst. Nach den Empfehlungen der GTÜM gehören dazu Vorgeschichte, eine gründliche körperliche Untersuchung mit neurologischem Befund, Lungenfunktion und Ruhe-EKG, ab 40 Jahren zusätzlich ein Belastungs-EKG. Eine Liste von Tauchärzten findest du bei der GTÜM.

In Ägypten selbst müssen Tauchbasen laut den Regeln der CDWS ihre Gäste vor jeder Aktivität eine Gesundheitserklärung nach Vorlage des Taucherverbands DAN unterschreiben lassen. Verbreitet ist außerdem der internationale Fragebogen „Diver Medical“, den Tauchmediziner zusammen mit DAN entwickelt haben. Er funktioniert so: Beantwortest du eine der Grundfragen mit Ja, folgen genauere Fragen, und ist auch dort ein Ja dabei, brauchst du eine ärztliche Freigabe. Was du für die Reiseapotheke einpacken solltest, steht unter Gesundheit und Reiseapotheke.

An diesen Tagen bleibst du an der Oberfläche

Mit Erkältung, verstopfter Nase oder Ohrenschmerzen, nach Alkohol am Vorabend, bei Durchfall mit Flüssigkeitsverlust oder wenn du dich einfach nicht fit fühlst. Ein ausgelassener Tauchgang ist ärgerlich, ein Tauchunfall verändert die ganze Reise.

Zertifizierte Anbieter erkennen

Zuständig für Tauchbasen, Wassersportzentren und Safariboote ist in Ägypten die Chamber of Diving and Watersports (CDWS), die das Tourismusministerium 2007 gegründet hat. Laut CDWS müssen Betreiber für eine Lizenz die internationalen Normen ISO 24803 und EN 14467 für Tauchdienstleister erfüllen. Auf der Website der Kammer gibt es Verzeichnisse der Basen und Safariboote und eine schwarze Liste von Anbietern, die nicht legal arbeiten. Laut Auswärtigem Amt führt schlechter technischer Zustand von Tauchausrüstung verhältnismäßig oft zu Unfällen.

  • Die Basis steht im CDWS-Verzeichnis und ist Mitglied einer Ausbildungsorganisation, deren Brevets du kennst.
  • Vor jedem Tauchgang gibt es ein Briefing zu Platz, Strömung, Ablauf und Notfallzeichen.
  • Sauerstoff für Notfälle ist an der Basis und auf dem Boot vorhanden, das nennt das Merkblatt des Auswärtigen Amts ausdrücklich als Qualitätsmerkmal.
  • Die Basis weiß, wo die nächste Druckkammer ist und wie der Transport dorthin läuft.
  • Leihausrüstung wirkt gepflegt, und du darfst sie vor dem Tauchgang in Ruhe prüfen.

Ausrüstung: leihen oder mitbringen

Komplette Leihausrüstung bekommst du an jeder seriösen Basis. Eigene Maske und eigener Tauchcomputer lohnen sich trotzdem: Die Maske passt, und die Anzeige des Computers kennst du, wenn es darauf ankommt. Ob du mehr mitnimmst, entscheidet meist das Freigepäck deiner Airline. Handschuhe und Stöcke zum Abstützen gehören nicht ins Gepäck: Die CDWS wirbt mit „No touch“ und „No gloves“ dafür, das Riff gar nicht erst anzufassen, und untersagt Fotografen und Tauchern die sogenannten Muck Sticks. Wie du dich gegenüber Tieren im Wasser verhältst, erklärt Meerestiere und Sicherheit.

Farbiges Korallenriff mit vielen kleinen Fischen bei Marsa Alam
Farbiges Korallenriff mit vielen kleinen Fischen bei Marsa Alam
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Flugpause nach dem Tauchen: Rückflug richtig planen

Nach dem Tauchen ist noch zusätzlicher Stickstoff im Körper gelöst. Wer zu früh in ein Flugzeug steigt, riskiert eine Dekompressionskrankheit. Der Taucherverband DAN empfiehlt als Mindestabstand zwischen letztem Tauchgang und Abflug 12 Stunden nach einem einzelnen Tauchgang ohne Dekompressionsstopps und 18 Stunden nach mehreren Tauchgängen pro Tag oder an mehreren Tagen hintereinander. Nach Tauchgängen mit Dekompressionsstopps soll die Pause deutlich länger sein. Das Merkblatt des Auswärtigen Amts ist strenger und rät, in den letzten 24 Stunden vor dem Abflug gar nicht mehr zu tauchen. Beschwerden treten laut Merkblatt meist innerhalb von 24 Stunden auf, sehr selten bis zu 48 Stunden danach.

Für die Praxis heißt das: Plan einen tauchfreien Tag vor dem Rückflug ein. Auch für Fahrten in große Höhen nach dem Tauchen gibt es eigene Regeln, einen Ausflug ins Sinai-Hochland sprichst du deshalb mit deiner Basis ab. Wenn du nach einem Tauchgang Kribbeln, Gelenkschmerzen, ungewöhnliche Müdigkeit oder Atemnot bemerkst, sag sofort der Basis Bescheid und ruf die Notrufnummer deiner Versicherung an.

Tauchsafari: mehrere Tage an Bord

Auf einer Tauchsafari wohnst du einige Tage auf einem Schiff und erreichst Riffe und Wracks, die für Tagesboote zu weit entfernt sind. Weil du mehrmals täglich tauchst, oft in Strömung und weit weg von jeder Klinik, passt eine Safari besser zu Tauchern mit etwas Erfahrung als zum ersten Urlaub nach dem Grundkurs.

Wie wichtig der Zustand des Schiffs ist, zeigte der November 2024: Vor Marsa Alam sank die Sea Story mit 44 Menschen an Bord auf einer mehrtägigen Tauchtour. Nach ersten Angaben des Gouverneurs hatte eine plötzliche große Welle das Schiff getroffen, mehrere Menschen wurden vermisst. Das Auswärtige Amt nennt allgemein wiederholte schwere Unfälle mit Touristen- und Tauchbooten.

Ausflugsboote über einem Riff im blauen Wasser vor Hurghada
Ausflugsboote über einem Riff im blauen Wasser vor Hurghada
  • Das Schiff steht im Safariboot-Verzeichnis der CDWS, die eigene Standards für Safariboote veröffentlicht hat.
  • Gleich am ersten Tag gibt es eine Sicherheitseinweisung mit Rettungswesten, Rettungsinseln, Sammelpunkt und Notfallablauf.
  • Sauerstoff, Erste-Hilfe-Ausrüstung und eine Funkverbindung an Land sind an Bord.
  • Die Crew sagt Tauchgänge oder Strecken bei schlechtem Wetter ab, auch wenn die Gäste drängen.
  • Die Route passt zu deiner Erfahrung, und der letzte Tauchtag liegt mit genug Abstand vor dem Rückflug.

So planst du den Tauchurlaub

Am Anfang steht die Frage, wie du tauchen willst. Wer viel vom Ufer und im eigenen Rhythmus taucht, sucht ein Hotel mit gutem Zugang, Hinweise dazu stehen unter Hotels mit Hausriff. Wer Riffe und Wracks per Boot sehen will, wählt die Region nach Tagesbooten oder bucht eine Safari. Tauglichkeit, Versicherung und Rückflug klärst du vor der Buchung, nicht am Pool.

Häufige Fragen

Ab welchem Alter dürfen Kinder in Ägypten tauchen?

Das legen die Ausbildungsorganisationen fest, nicht ein einheitliches Gesetz. Bei PADI liegt das Mindestalter für Schnuppertauchen und den Grundkurs bei 10 Jahren. Laut Merkblatt des Auswärtigen Amts bieten Ausbildungsorganisationen schon ab 8 Jahren Programme an, mit strengen Grenzen für Tiefe und Dauer. Frag die Basis vorab, welche Regeln sie für Kinder anwendet, und lass auch Kinder tauchmedizinisch untersuchen.

Muss ich meinen Tauchschein und mein Logbuch mitnehmen?

Ja, ohne Nachweis lässt dich eine seriöse Basis nicht einfach tauchen. Bietet deine Organisation eine digitale Brevetkarte an, speichere sie offline auf dem Handy, ein Foto der Karte als Reserve schadet auch nicht. Das Logbuch zeigt der Basis, wie viel Erfahrung du hast und wann du zuletzt getaucht bist.

Kann ich am letzten Urlaubstag noch schnorcheln?

Für Schnorcheln an der Oberfläche gelten die Flugpausen nach dem Gerätetauchen nicht in derselben Weise, weil du keine Druckluft atmest. Die Empfehlung des Auswärtigen Amts, in den 24 Stunden vor dem Abflug nicht mehr zu tauchen, bezieht sich auf das Tauchen mit Gerät. Bleib trotzdem an der Oberfläche und lass tiefes Abtauchen sein. Ein ruhiger Schnorchelgang am Hausriff ist eine gute Art, den Urlaub ausklingen zu lassen. Tipps dazu stehen unter Schnorcheln in Ägypten.

Reicht meine normale Auslandskrankenversicherung fürs Tauchen?

Nicht immer. Das Auswärtige Amt rät, vor der Reise zu prüfen, ob Tauchunfälle im Ausland abgedeckt sind, und empfiehlt allen Reisenden dringend eine Rücktransportversicherung. Wenn deine Police Tauchen ausschließt, brauchst du eine spezielle Tauchunfallversicherung. Achte darauf, dass auch eine Behandlung in der Druckkammer und die Nachbehandlung zu Hause abgedeckt sind.

Ist Tauchen am Sinai wegen der Sicherheitslage ein Problem?

Für den Südsinai mit Sharm el Sheikh und Dahab spricht das Auswärtige Amt keine Reisewarnung aus. Es rät aber von unbegleiteten Ausflügen und Überlandfahrten ab und empfiehlt, Tauch- und Schnorcheltouren nur mit lizenzierter ortsansässiger Begleitung zu unternehmen. Den aktuellen Stand fassen wir unter Reisewarnung und Sicherheit zusammen.

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Quellen und Stand

Stand: Oktober 2026. Angaben zu Preisen, Öffnungszeiten und Regeln können sich ändern. Prüfe sie vor der Reise bei der jeweiligen Stelle.

Über den Autor: Oliver Misch

Herausgeber von AEGYPT

Oliver kennt Ägypten von vielen Reisen und Ausflügen, vor allem rund um das Rote Meer. Für AEGYPT recherchiert er jede Seite anhand amtlicher und fachlicher Quellen und nennt sie offen. Mehr über Oliver · So arbeiten wir

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