Wer im Mut-Tempel von Karnak zwischen den schwarzen Sitzfiguren mit Löwinnenkopf steht, ahnt, wie ernst die Ägypter diese Göttin nahmen. Sechmet war gefährlich: Sie brachte Seuchen, Hitze und Tod. Gerade deshalb rief man sie an, wenn jemand krank wurde. Diese Doppelrolle ist kein Widerspruch der Überlieferung, sondern der Kern ihres Wesens.
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Name | Sechmet, ägyptisch etwa Sachmet, „die Mächtige“ |
| Varianten | Sḫmt (Fachumschrift), Sachmet (deutsche Fachliteratur), Sekhmet und Sakhmet (englisch) |
| Zuständigkeit | Seuchen und Krankheit, deren Abwehr und Heilung, Schutz des Königs und des Sonnengottes, zerstörerische Kraft des Sonnenauges |
| Erkennungsmerkmale | Frau mit Löwinnenkopf, Sonnenscheibe mit Uräusschlange, oft Papyrusszepter und Anch-Zeichen, sitzend oder schreitend |
| Wichtige Kultorte | Memphis, Mut-Tempel in Karnak, Totentempel Amenhoteps III. in Theben-West |
| Verwandte Gottheiten | Ptah, Nefertem, Re, Hathor, Bastet, Mut |

Sachmet, Sekhmet, Sechmet: ein Name für „die Mächtige“
Der Name geht auf ein ägyptisches Wort für Macht zurück und wird meist mit „die Mächtige“ übersetzt. Da die Ägypter keine Vokale schrieben, kursieren mehrere Schreibweisen. Im allgemeinen Deutsch ist Sechmet üblich, die deutsche Ägyptologie schreibt meist Sachmet, englische Texte Sekhmet oder Sakhmet. Gemeint ist immer dieselbe Göttin.
Ihr Hauptort war Memphis, die alte Hauptstadt südlich des heutigen Kairo. Dort bildete sie, belegt vor allem ab dem Neuen Reich, mit dem Schöpfergott Ptah und dem jungen Gott Nefertem eine Göttergruppe aus Vater, Mutter und Sohn. Als Tochter des Sonnengottes Re galt sie zugleich als sein feuriges Auge, das seine Feinde verbrennt.
Seuche und Heilung: die widersprüchlichen Kräfte der Göttin Sechmet
Die Gefahr
Sechmet stand für alles, was plötzlich und ohne erkennbaren Grund über Menschen hereinbrach: Fieber, Seuchen, Hitze. Nach ägyptischer Vorstellung konnten Boten der Göttin Krankheit verbreiten, besonders gefürchtet waren die Tage am Ende des Jahres. Aus dieser Zeit sind Beschwörungen gegen die „Seuche des Jahres“ überliefert.
Die Heilung
Die Logik dahinter ist einfach: Wer eine Krankheit schicken kann, kann sie auch zurücknehmen. Deshalb wurde Sechmet nicht gemieden, sondern besänftigt. Das Metropolitan Museum fasst es so zusammen: Krankheitsbehandlung galt als Besänftigung der Göttin, und Ärzte konnten zugleich ihre Priester sein.
Belegt ist das durch den Titel „Reinpriester der Sechmet“. Er gehört laut University College London zu den drei wichtigsten Bezeichnungen für Heiler. Während der „Arzt“ (swnw) vor allem äußere Verletzungen mit klarer Ursache behandelte, waren die Priester der Sechmet für Leiden ohne erkennbare Ursache zuständig, etwa Seuchen. Sie arbeiteten mit Diagnose, Arzneien und Beschwörungen. Der medizinische Papyrus Ebers nennt die Priester der Sechmet ausdrücklich unter denen, die seine Texte nutzen sollten.
Der Schutz
Für den König war Sechmet eine Leibwächterin. Ihre zerstörerische Kraft richtete sich gegen seine Feinde und die Feinde des Sonnengottes. Was dem Volk Angst machte, sollte den Herrscher schützen. Ob man sie als Bedrohung oder als Schutz erlebte, hing also davon ab, auf welcher Seite man stand.
Das Sonnenauge in Raserei: Sechmet im Mythos von der Himmelskuh
Die bekannteste Erzählung über Sechmet steht im Buch von der Himmelskuh, das ab der späten 18. Dynastie belegt ist, ungefähr ab dem 14. Jahrhundert v. Chr. Es handelt sich um eine Überlieferung, die vermutlich auf ältere Vorlagen zurückgeht.
Der Sonnengott Re ist alt geworden, die Menschen lehnen sich gegen ihn auf. Er schickt seine Tochter Hathor aus, die unter den Menschen ein Blutbad anrichtet und dabei den Namen Sechmet erhält. Re will die Menschheit strafen, aber nicht auslöschen. Also lässt er Bier mit rotem Ocker färben, bis es wie Blut aussieht, und über die Felder gießen. Die Göttin trinkt es, wird berauscht und vergisst ihren Zorn. Danach zieht sich Re in den Himmel zurück.
Die Geschichte erklärt in Bildern, was die Ägypter an Sechmet fürchteten und wie sie damit umgingen: Die zerstörerische Kraft verschwindet nicht, sie wird gebändigt. Mit Rausch, Musik und Opfern beruhigt man die Göttin. Bei Grabungen der Johns Hopkins University im Mut-Tempel von Karnak kamen Bauteile einer „Halle der Trunkenheit“ aus der Zeit um 1475 bis 1460 v. Chr. zum Vorschein. Solche Feste werden meist mit der Besänftigung der gefährlichen Göttin verbunden; bis dahin kannte man sie fast nur aus griechisch-römischer Zeit.
Eine verwandte Erzählung kennt das Sonnenauge als Göttin, die sich nach Nubien zurückzieht und zurückgeholt werden muss. Das Fachlexikon WiBiLex beschreibt Sechmet dort als die zornige Seite der fernen Göttin, Bastet als die milde.
Löwinnenkopf und Sonnenscheibe: So erkennst du Sechmet
Sechmet ist eine Frau mit dem Kopf einer Löwin. Auf dem Kopf trägt sie eine Sonnenscheibe mit Uräusschlange, dazu eine lange Perücke und ein enges Kleid. In den Händen hält sie oft ein Papyrusszepter und ein Anch-Zeichen für Leben. Typisch sind zwei Haltungen: thronend mit den Händen auf den Knien oder schreitend mit dem linken Fuß vorn.
Verwechslungsgefahr besteht mit anderen Löwengöttinnen. Löwenköpfig erscheinen auch Tefnut, Wadjet und in früher Zeit Bastet. Der Unterschied zu Bastet in ihrer späten Katzengestalt liegt in den Ohren: Sechmet hat runde Löwinnenohren und einen Mähnenansatz, Bastet spitze Katzenohren. Sicher ist die Zuordnung nur mit Beischrift. Hinzu kommt Mut, die Gemahlin des Amun, die in Theben eng mit Sechmet verbunden wurde.
Hunderte Statuen für Amenhotep III.
Kaum eine Gottheit ist in Museen so häufig zu sehen wie Sechmet, und das liegt an einem einzigen König. Amenhotep III. ließ im 14. Jahrhundert v. Chr. eine riesige Zahl von Sechmet-Statuen aus dunklem Granodiorit anfertigen. Laut Metropolitan Museum sind rund 600 erhalten oder nachweisbar. Nach einer Berechnung waren es ursprünglich vielleicht 730: je eine sitzende und eine stehende Figur für jeden Tag des Jahres.
Wozu? Die Statuen gelten als eine Art Litanei in Stein. Sie sollten die Göttin Tag für Tag besänftigen, damit sie ihre zerstörerischen Kräfte nicht gegen König und Land richtet. Eine Theorie bringt das mit Seuchen in Verbindung, die zur Zeit Amenhoteps III. im Vorderen Orient wüteten. Belegt ist dieser Anlass nicht.
Aufgestellt waren die Statuen ursprünglich im Totentempel des Königs auf dem Westufer von Theben, heute Kom el-Hettan bei den Memnonkolossen. Nach Angaben des British Museum verfiel der Tempel etwa hundert Jahre nach dem Tod des Königs. Viele Figuren wurden in den Tempel der Göttin Mut in Karnak gebracht, manche erhielten dabei die Namen späterer Könige. Das British Museum besitzt mehr als 30 Sechmet-Statuen, die größte Gruppe außerhalb Ägyptens.
Wandel: von Memphis bis in die Spätzeit
Sechmet ist schon im Alten Reich bezeugt: In den Pyramidentexten erscheint sie als schützende Mutter des Königs, ein eigener Kult ist aus dieser Zeit aber kaum nachweisbar. Im Mittleren Reich tritt ihre gefährliche Seite stärker hervor. Im Neuen Reich wächst ihre Bedeutung, sichtbar in der Statuenflut unter Amenhotep III., in ihrer Rolle als Gemahlin des Ptah in Memphis und in der engen Verbindung mit Mut in Theben. Im Totentempel des Sahure in Abusir, einem Bau des Alten Reichs, entstand im Neuen Reich ein Kult der „Sachmet des Sahure“. Er war in der 18. Dynastie besonders beliebt und hielt sich bis in die griechische Zeit. In der Spätzeit verschmelzen die Löwengöttinnen immer stärker miteinander. Wie solche Verbindungen funktionieren, erklärt der Artikel Religion und Mythologie im alten Ägypten.
Wo du Sechmet heute sehen kannst
- Mut-Tempel in Karnak, Luxor: Viele Sechmet-Statuen stehen hier noch heute, vor allem rund um den ungewöhnlich geformten heiligen See. Das Antikenministerium führt für den Mut-Tempel ein eigenes Ticket neben dem Haupteintritt für Karnak (Stand: Oktober 2026).
- Ptah-Tempel in Karnak: In einem kleinen Raum dieses Tempels im Norden des Amun-Bezirks steht eine Sechmet-Statue an ihrem Platz. Ob der Raum geöffnet ist, prüfst du vor Ort.
- Kom el-Hettan bei den Memnonkolossen: der ursprüngliche Aufstellungsort der Statuen. Vom Totentempel ist wenig erhalten, wie viel vom Grabungsgelände zugänglich ist, wechselt.
- Metropolitan Museum, New York: eine Sitzstatue aus der Zeit Amenhoteps III., laut Museum in Galerie 135 ausgestellt (Stand: Oktober 2026).
- British Museum, London: mehr als 30 Statuen. Welche gerade ausgestellt sind, wechselt; die bekannte Statue EA 84 etwa ist laut Sammlungsdatenbank derzeit nicht zu sehen (Stand: Oktober 2026).
Verwandte Gottheiten und Verwechslungsgefahr
- Ptah: Schöpfergott von Memphis und Sechmets Gemahl, mit ihr und Nefertem in einer Göttergruppe.
- Hathor: im Mythos von der Himmelskuh die Göttin, aus der Sechmet hervorgeht; im Kult eigenständig.
- Bastet: die milde Seite des Sonnenauges; früh ebenfalls mit Löwinnenkopf.
- Mut: Gemahlin des Amun in Theben, eng mit Sechmet verbunden; deshalb landeten so viele Statuen in ihrem Tempel.
- Re: Sechmets Vater, dessen feuriges Auge sie verkörpert.
- Tefnut und Wadjet: ebenfalls in Löwengestalt belegt, ohne Inschrift leicht zu verwechseln.
Alle 16 Gottheiten mit einheitlichen Steckbriefen findest du im Überblick Ägyptische Götter.
Häufige Fragen
War Sechmet eine Kriegsgöttin?
Teilweise. Sechmet schützte den König und den Sonnengott und konnte Feinde vernichten, deshalb wird sie oft als Kriegsgöttin bezeichnet. Ihre wichtigste Rolle im Alltag war aber eine andere: Sie konnte Krankheiten senden und wieder abwenden. Wer sie nur als Kriegerin beschreibt, lässt die heilende Seite weg.
Warum gibt es so viele Statuen der Sechmet?
Fast alle stammen aus der Zeit von Amenhotep III. im 14. Jahrhundert v. Chr. Laut Metropolitan Museum sind rund 600 erhalten oder nachweisbar, ursprünglich waren es vielleicht 730. Sie sollten die Göttin wohl Tag für Tag besänftigen, eine Art Gebet in Stein. Später wurden viele in den Mut-Tempel von Karnak gebracht und von dort in Museen auf der ganzen Welt verteilt.
Was ist richtig: Sechmet, Sachmet oder Sekhmet?
Alle drei meinen dieselbe Göttin. Sechmet ist im allgemeinen Deutsch verbreitet, Sachmet in der deutschen Fachliteratur, Sekhmet oder Sakhmet im Englischen. Das deutsche „ch“ entspricht dabei dem englischen „kh“. Weil die Ägypter keine Vokale schrieben, ist die genaue Aussprache ohnehin unsicher.
Wie hängen Sechmet und Hathor zusammen?
Nach der Erzählung von der Himmelskuh schickt der Sonnengott Re seine Tochter Hathor gegen die Menschen, und in ihrer Raserei erhält sie den Namen Sechmet. Im Kult bleiben beide Göttinnen aber getrennt, mit eigenen Tempeln und Aufgaben. Mehr dazu bei Hathor.
Wer waren die Priester der Sechmet?
Der Titel „Reinpriester der Sechmet“ gehört zu den drei wichtigsten Bezeichnungen für Heiler im alten Ägypten. Diese Priester behandelten vor allem Leiden ohne sichtbare Ursache, etwa Seuchen. Laut University College London arbeiteten sie mit Diagnose, Arzneien und Beschwörungen, also mit denselben Mitteln wie andere Heiler.
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Quellen und Stand
Stand: Oktober 2026. Angaben zu Preisen, Öffnungszeiten und Regeln können sich ändern. Prüfe sie vor der Reise bei der jeweiligen Stelle.
- The British Museum: Statue of the goddess Sekhmet (EA84) (britishmuseum.org, geprüft am 21. Oktober 2026)
- The Metropolitan Museum of Art: Statue of the Goddess Sakhmet (metmuseum.org, geprüft am 21. Oktober 2026)
- Digital Egypt for Universities, University College London: Healing titles (Medicine in Ancient Egypt) (ucl.ac.uk, geprüft am 21. Oktober 2026)
- Deutsche Bibelgesellschaft: Re / Re-Harachte (WiBiLex), Autor Joachim Friedrich Quack (die-bibel.de, geprüft am 21. Oktober 2026)
- Deutsche Bibelgesellschaft: Bastet (WiBiLex), Autor Holger Kockelmann (die-bibel.de, geprüft am 21. Oktober 2026)
- Deutsche Bibelgesellschaft: Löwe (WiBiLex), Autor Peter Riede (die-bibel.de, geprüft am 21. Oktober 2026)
- Johns Hopkins University (Hub): Unearthing history at the Temple of Mut (Bericht über die Grabung unter Betsy Bryan) (hub.jhu.edu, geprüft am 21. Oktober 2026)
- Ministry of Tourism and Antiquities, Egypt (egymonuments.gov.eg): Karnak (Mut-Bezirk, Öffnungszeiten, Tickets) (egymonuments.gov.eg, geprüft am 21. Oktober 2026)
- The Global Egyptian Museum (CIPEG/ICOM): Glossary: Sakhmet (globalegyptianmuseum.org, geprüft am 21. Oktober 2026)
- Ain Shams University, Egyptian Knowledge Bank Journals: Krankheiten und Seuchen im Kalenderpapyrus Kairo 86637 (Ayat Abdel Aziz, arabisch mit Abstract), Bulletin of the Center Papyrological Studies 36, 2019 (journals.ekb.eg, geprüft am 21. Oktober 2026)
Über den Autor: Oliver Misch
Herausgeber von AEGYPT
Oliver kennt Ägypten von vielen Reisen und Ausflügen, vor allem rund um das Rote Meer. Für AEGYPT recherchiert er jede Seite anhand amtlicher und fachlicher Quellen und nennt sie offen. Mehr über Oliver · So arbeiten wir


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