Eine sitzende Bronzekatze mit Ohrringen und Halsschmuck, aufrecht und ganz still: So stellen sich viele Bastet vor, und dieses Bild stimmt, allerdings nur für die späte Zeit. Davor war Bastet über lange Zeit eine Göttin mit Löwinnenkopf. Ihre Geschichte erzählt, wie aus einer gefährlichen Raubkatze eine Schützerin von Familien wurde und warum Katzen zu Tausenden als Mumien in Tierfriedhöfen landeten.
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Name | Bastet, ägyptisch Bastet (Fachumschrift Bꜣstt) |
| Varianten | Bast, Bastis; bei griechischen Autoren nach ihrer Stadt auch Bubastis |
| Zuständigkeit | Schutz vor dem Bösen, Fruchtbarkeit und Mutterschaft, Fürsorge für Frauen und Kinder; als Tochter des Re Teil des Sonnenauges |
| Erkennungsmerkmale | Katze oder Frau mit Katzenkopf und spitzen Ohren, in älterer Zeit Löwinnenkopf; oft Sistrum und halbrunde Ägis mit Löwenkopf |
| Wichtige Kultorte | Bubastis (Tell Basta bei Zagazig), Heiligtümer bei Memphis und im Fayum, Katzenfriedhöfe in Saqqara und Beni Hassan |
| Verwandte Gottheiten | Re, Sechmet, Hathor, Mut, Tefnut, Isis |

Bast, Bastet, Bubastis: Name und Herkunft
Ägyptisch hieß die Göttin Bastet, in Kurzform auch Bast. Was der Name bedeutet, ist nicht sicher. Häufig wird er mit einem Wort für ein Salbgefäß verbunden, was gut zu einer Göttin passen würde, die mit Duft und Pflege zu tun hat, bewiesen ist diese Deutung aber nicht.
Ihr wichtigstes Heiligtum lag in einer Stadt, deren Name „Haus der Bastet“ bedeutet. Die Griechen machten daraus Bubastis und übertrugen diesen Stadtnamen irrtümlich auf die Göttin selbst. Wer in antiken Texten von einer Göttin „Bubastis“ liest, hat also Bastet vor sich. Heute heißt der Ort Tell Basta und liegt bei Zagazig im östlichen Nildelta.
Bastet ist keine späte Erfindung. Priester der Göttin sind laut dem Fachlexikon WiBiLex schon im Alten Reich belegt, um 2600 v. Chr., und ihr Kult hielt sich bis in die griechisch-römische Zeit.
Von der Löwin zur Katze: Bastets Gestalt im Wandel
Die Göttin in Katzengestalt, wie du sie aus Museen kennst, ist die jüngere Form. Als ältere Erscheinung gilt die Löwin: Lange zeigte man Bastet als Frau mit Löwinnenkopf und damit kaum unterscheidbar von anderen Löwengöttinnen. Erst im 1. Jahrtausend v. Chr. setzt sich die Katze durch, entweder ganz als Tier oder als Frau mit Katzenkopf.
Woran du die späte Bastet erkennst:
- Katzenkopf mit spitzen, aufgestellten Ohren, ruhiger Ausdruck.
- In der Hand oft ein Sistrum, die Kultrassel, die auch zu Hathor gehört.
- Vor der Brust oder im Arm eine halbrunde Ägis, ein Schmuckkragen mit Löwenkopf. Mit dem Schild der griechischen Göttin Athene hat das nichts zu tun.
- Als sitzende Katze häufig mit Ohrringen, Halskragen oder einem Schutzauge auf der Brust.
Warum der Wechsel? Eine sichere Antwort gibt es nicht. Auffällig ist, dass Katzen ab der 22. und 23. Dynastie als heilige Tiere so beliebt wurden, dass man sie in großer Zahl hielt. Die Könige der 22. Dynastie stammten aus Bubastis. Die Katze war Bastets Tier, und mit der Bedeutung ihrer Stadt wuchs auch die Präsenz dieses Bildes.
Schützerin von Müttern und Kindern: was die Göttin Bastet tat
Bastet schützte vor dem Bösen und war für Fruchtbarkeit und Mutterschaft zuständig. Ihre Fürsorge galt vor allem Frauen und Kindern. Viele kleine Figuren und Amulette zeigen eine Katze mit Jungen, die man als Wunsch nach Nachwuchs und Schutz für die Familie deutet.
Diese freundliche Seite ist aber nur die halbe Wahrheit. Als Tochter des Sonnengottes Re gehört Bastet in den Mythos vom Sonnenauge, das sich in die Ferne zurückzieht und zurückgeholt werden muss. Nach WiBiLex verkörpert Bastet darin die milde Seite der fernen Göttin, Sechmet die zornige. Es ist dieselbe Kraft in zwei Stimmungen: Wer besänftigt ist, schützt, wer zürnt, zerstört.
Wie bei vielen ägyptischen Göttinnen sind die Grenzen fließend. Bastet verschmilzt früh mit Tefnut, Mut, Sechmet und Hathor, später wird sie auch mit Isis gleichgesetzt. In einzelnen Überlieferungen gilt sie sogar als Mutter des Anubis. Eine feste Familie und eine einzige gültige Mythenfassung gibt es nicht.
Ein verbreiteter Irrtum ist die „Göttin der Hauskatzen“. Katzen waren im alten Ägypten geschätzt, weil sie Speicher und Häuser von Mäusen, Ratten und Schlangen freihielten, und man hielt sie gern als Haustiere. Das British Museum betont aber: Katzen galten als Erscheinungsform der Bastet, nicht als heilig an sich. Angebetet wurde die Göttin, nicht der Kater im Hof.
Bubastis und sein ausgelassenes Fest
Bubastis war eine wichtige Stadt im östlichen Delta. Von hier kamen die Könige der 22. Dynastie, nach denen das Bubastidentor in Karnak benannt ist; ihre Epoche ordnet der Artikel zur Geschichte Ägyptens ein. Diese Könige bauten den Tempel der Bastet aus. Heute sind davon vor allem verstreute Granitblöcke und Fundamente übrig.
Berühmt wurde Bubastis durch sein Fest. Der griechische Geschichtsschreiber Herodot beschreibt im 5. Jahrhundert v. Chr. Schiffe voller Männer und Frauen, die auf dem Weg nach Bubastis musizieren, tanzen, singen und Zuschauer am Ufer necken. In Bubastis selbst werde an diesen Tagen mehr Wein getrunken als im ganzen übrigen Jahr. Die Zahl von 700.000 Männern und Frauen, Kinder nicht mitgezählt, hat Herodot nach eigener Angabe von Einheimischen; wörtlich nehmen sollte man sie kaum. Dass es ausgelassen zuging, bestätigt aber auch eine derbe demotische Dichtung aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. Feste dieser Art, die Bubasteia, waren nicht auf Bubastis beschränkt, sondern sind auch an anderen Orten Ägyptens belegt.
Katzenmumien und Tierfriedhöfe
Für Bastet entstanden riesige Katzenfriedhöfe. Herodot berichtet, dass verstorbene Katzen nach Bubastis gebracht und dort bestattet wurden; der dortige Friedhof ist belegt, aber längst geplündert. Weitere Katzennekropolen lagen in Saqqara und in Beni Hassan in Mittelägypten. Aus Theben ist ein Tonscherben mit demotischer Schrift aus der Ptolemäerzeit erhalten, nach dem dort mehrere hundert Tiere in wenigen Jahren bestattet wurden. Es gab sogar einen eigenen Beruf, die „Katzenbestatter“.
Mit Tierliebe im heutigen Sinn hat das wenig zu tun. Laut British Museum wurden Katzen in manchen Regionen in großer Zahl gezüchtet, und Gläubige bezahlten die rituelle Bestattung einer Katze als Gabe an die Göttin. Untersuchungen an Katzenmumien zeigen, dass die Tiere für solche Gaben meist getötet wurden, bevor sie ausgewachsen waren. Bei einer Katzenmumie, die Forschende der Universität Swansea 2020 per Computertomografie untersuchten, war das Tier jünger als fünf Monate, und sein Genick war absichtlich gebrochen worden. Mehr zur Tiermumifizierung und zur Frage, wie Museen heute mit Mumien umgehen, liest du unter Mumien und Jenseitsvorstellungen.
Bastet bei Griechen und Römern
Die Griechen, die nach Alexander in Ägypten lebten, übernahmen den Kult. Späte Weihinschriften von Menschen mit griechischen Namen, besonders von Frauen, zeigen, dass Bastet auch bei ihnen beliebt war. Sie setzten die Göttin mit Artemis gleich, teils auch mit Aphrodite. Der Kult erreichte sogar Europa: Weihungen sind unter anderem aus Nemi bei Rom, aus Scarbantia im heutigen Ungarn und aus Porto Torres auf Sardinien bekannt. Den größeren Zusammenhang der Volksfrömmigkeit und Tierkulte erklärt der Artikel Religion und Mythologie im alten Ägypten.
Wo du Bastet heute begegnest
- British Museum, London: die Gayer-Anderson-Katze, eine hohl gegossene Bronzefigur aus der Spätzeit um 600 v. Chr. mit goldenen Ohrringen und silbernem Brustschmuck. Laut Museum steht sie in Raum 4 (Stand: Oktober 2026). Ihr genauer Fundort ist unbekannt.
- Tell Basta bei Zagazig: das Ruinenfeld des alten Bubastis mit Resten des Bastet-Tempels. Kein klassisches Ausflugsziel; laut Antikenministerium täglich von 9 bis 17 Uhr geöffnet, Eintritt für Erwachsene aus dem Ausland 150 EGP (Stand: Oktober 2026).
- Saqqara bei Kairo: Hier lag eine große Katzennekropole. Die Grabungsbereiche gehören nicht zum üblichen Besichtigungsprogramm; Katzenmumien aus solchen Tierfriedhöfen zeigen aber viele Museen.
- Museen weltweit: Bronzekatzen und Bastet-Statuetten aus der Spätzeit gehören zu den häufigsten ägyptischen Objekten in großen Sammlungen, vom Louvre bis zum Metropolitan Museum in New York.
Verwandte Gottheiten und Verwechslungsgefahr
- Sechmet: die zornige Löwengöttin; frühe Bastet-Darstellungen mit Löwinnenkopf sind ohne Beischrift kaum von ihr zu unterscheiden.
- Hathor: ebenfalls Tochter des Re, Göttin von Musik und Rausch; das Sistrum teilen beide.
- Mut und Tefnut: Göttinnen, mit denen Bastet früh verschmolz, Tefnut ebenfalls mit Löwenform.
- Isis: in später Zeit mit Bastet gleichgesetzt.
- Re: der Sonnengott als ihr Vater.
Alle 16 Gottheiten mit einheitlichen Steckbriefen findest du im Überblick Ägyptische Götter.
Häufige Fragen
War Bastet eine Göttin der Hauskatzen?
Nicht in dem Sinn, wie es heute oft heißt. Bastet war eine Schutz- und Muttergöttin, die Katze war ihr heiliges Tier und eine ihrer Erscheinungsformen. Für die Pflege von Haustieren war sie nicht zuständig. Das Bild der freundlichen Katzengöttin für Tierfreunde ist eine moderne Zuspitzung.
Was ist der Unterschied zwischen Bastet und Sechmet?
Beide haben eine Löwinnenform, und beide gehören als Töchter des Re zum Sonnenauge. Sechmet steht für die gefährliche, zornige Seite, Bastet für die milde. Später erkennst du Bastet am Katzenkopf mit spitzen Ohren, Sechmet am Löwinnenkopf mit runden Ohren, Sonnenscheibe und Uräus. Mehr dazu bei Sechmet.
Wurden Katzen im alten Ägypten angebetet?
Verehrt wurde die Göttin, nicht jede einzelne Katze. Laut British Museum galten Katzen als Erscheinungsform der Bastet, waren selbst aber nicht eigentlich heilig. Sie wurden geschätzt, weil sie Speicher und Häuser von Mäusen, Ratten und Schlangen freihielten. In der Spätzeit kamen Katzen dann in großer Zahl als mumifizierte Gaben in die Tierfriedhöfe.
Kann ich Bubastis besuchen?
Ja. Die Ruinen liegen in Tell Basta am Rand von Zagazig im östlichen Nildelta. Laut Antikenministerium ist das Gelände täglich von 9 bis 17 Uhr geöffnet, Erwachsene aus dem Ausland zahlen 150 EGP (Stand: Oktober 2026). Der Ort liegt abseits der üblichen Reiserouten, und es stehen vor allem Grundmauern, verstreute Blöcke und Statuenreste.
Darf ich eine Bastet-Figur als Souvenir mitnehmen?
Nachbildungen aus Stein, Kunstharz oder Metall gibt es in jedem Basar, die darfst du mitnehmen. Echte antike Stücke dürfen nicht ausgeführt werden. Lass dir im Zweifel eine Quittung geben, aus der hervorgeht, dass es sich um eine Replik handelt. Details stehen unter Zoll und Souvenirs.
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Quellen und Stand
Stand: Oktober 2026. Angaben zu Preisen, Öffnungszeiten und Regeln können sich ändern. Prüfe sie vor der Reise bei der jeweiligen Stelle.
- Deutsche Bibelgesellschaft: Bastet (WiBiLex), Autor Holger Kockelmann (die-bibel.de, geprüft am 21. Oktober 2026)
- Deutsche Bibelgesellschaft: Katze (WiBiLex), Autor Peter Riede (die-bibel.de, geprüft am 21. Oktober 2026)
- The British Museum: The Gayer-Anderson cat (britishmuseum.org, geprüft am 21. Oktober 2026)
- Digital Egypt for Universities, University College London: Bubastis (Tell Basta) (ucl.ac.uk, geprüft am 21. Oktober 2026)
- Deutsche Bibelgesellschaft: Re / Re-Harachte (WiBiLex), Autor Joachim Friedrich Quack (die-bibel.de, geprüft am 21. Oktober 2026)
- The Metropolitan Museum of Art: Sistrum with a dedication referring to a king (58.5a) (metmuseum.org, geprüft am 21. Oktober 2026)
- The Metropolitan Museum of Art: Divine Egypt: Inside the Exhibition (metmuseum.org, geprüft am 21. Oktober 2026)
- The Global Egyptian Museum (CIPEG/ICOM): Glossary: Bastet (globalegyptianmuseum.org, geprüft am 21. Oktober 2026)
- Ministry of Tourism and Antiquities, Egypt (egymonuments.gov.eg): Tell Basta (Beschreibung, Öffnungszeiten, Eintritt) (egymonuments.gov.eg, geprüft am 21. Oktober 2026)
- LacusCurtius, University of Chicago: Herodotus, Histories II, Kap. 59 bis 67 (engl. Übersetzung A. D. Godley, Loeb 1920) (penelope.uchicago.edu, geprüft am 21. Oktober 2026)
- Penn Museum, University of Pennsylvania: Relief E226 from the jubilee portal of Osorkon II, Temple of Bastet, Bubastis (collections.penn.museum, geprüft am 21. Oktober 2026)
- Swansea University / Nature Portfolio: Evidence of diet, deification, and death within ancient Egyptian mummified animals (Johnston et al., Scientific Reports 10, 2020) (nature.com, geprüft am 21. Oktober 2026)
Über den Autor: Oliver Misch
Herausgeber von AEGYPT
Oliver kennt Ägypten von vielen Reisen und Ausflügen, vor allem rund um das Rote Meer. Für AEGYPT recherchiert er jede Seite anhand amtlicher und fachlicher Quellen und nennt sie offen. Mehr über Oliver · So arbeiten wir


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